Beim Thema Kunstfasern denkt man ja gemeinhin an Chemie, Umweltverschmutzung und eher billige (ich vermeide hier günstige Bekleidung). Es hat mich daher einigermaßen erstaunt, heraus zu finden, dass es inzwischen schon sogenanntes Bio-Nylon gibt, ganz ohne Chemie, produziert von Mikroorganismen. Klingt wahnsinnig nach Gentechnik, nicht wahr? Ist es auch.
Ich muss hier gleich mal was als Warnung vorrausschicken: Ich befürworte Gentechnik. Ich weiß, ich weiß, jetzt geht erst mal ein großer Aufschrei rum, es geht um Allergiker, die nicht wissen, was in den Produkten ist, genetische Monster etc.
Ich kann euch da beruhigen, gerade bei diesen Bio-Kunstfasern:
- Die Bakterien stellen Polymere her, da sind keine Gene, Fremdgene oder ähnliches drin enthalten
- Genetisch modifizierte Organismen sind keine Monster, es handelt sich bei ihnen, vereinfacht gesagt, um Schnellzüchtungen, gerade bei Mikroorganismen mit vergleichsweise einfachem Erbgut und Stoffwechsel sind solche Veränderungen schnell und sicher möglich. Unsere Milchkühe sind schließlich auch nur modifizierte Auerochsen.
Allerdings würde es jetzt zu weit führen, das im Einzelnen auszuführen, ich bin aber gerne bereit, auf Anfrage genauere Informationen zu liefern.
Zurück zum Thema: Mikroorganismen, die als ganz normalen Stoffwechselprozess Polymere herstellen, stellen eine erhebliche Entlastung für die Umwelt dar, da eine ganze Reihe petrochemischer Pozesse, die zum Teil sehr umweltbelastend sind, wegfallen. Außerdem sind sie in der Lage, sehr hochwertige Polymerketten vergleichsweise günstig zu produzieren, deren chemische Herstellung teuer und nicht gerade umweltschonend ist. Es lohnt sich hier also sogar für alle Beteiligten, auf Bio zu setzen. Dies ist auch eine gute Nachricht für alle, die auf tierische und/oder pflanzliche Fasern allergisch reagieren aber trotzdem gerne Bio-Fasern verwenden wollen.
Auf der anderen Seite des Spektrums haben sich inzwischen allein durch evolutionär Prozesse Bakterien entwickelt, die Nylon verdauen können. Hier bietet sich also eine Möglichkeit, Kunststoffe quasi zu verkompostieren. Was da genauer dahinter steckt, darüber muss ich mich aber erst noch informieren.
Ok, soviel für heute, bis bald!


